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Der Wasserturm der ehemaligen Grube Carolus Magnus in Übach Palenberg

von Lutz Henning Meyer

Die Anlagen der 1911 gegründeten Bergwerksgesellschaft Carolus Magnus in Übach-Palenberg sind nach der Stillegung der Grube am 1. November 1962 zum großen Teil beseitigt worden. Von den immer noch imposanten baulichen Resten der Grube (vgl. Denkmalpflege im Rheinland«, Heft 1/1997, S. 1-7) stellt der Wasserturm ein besonders markantes Erinnerungsmal dar.

Erhalten geblieben sind nur noch das Verwaltungsgebäude, das Betriebsgebäude mit Lohnhalle und Waschkaue. Dazu gehört auch der in der Abraumhalde sich erhebende eiserne Wasserturm. Bei dem 1912 von F.A. Neuman aus Eschweiler errichteten Turm handelt es sich um einen ca. 500 cbm fassenden Kugelbehälter, der auf einem sechseckigen als Raumfachwerk ausgebildeten Standgerüst ruht. Die Art der Auflagerung des Kugelbehälters unmittelbar auf dem Gerüst zeigt Ähnlichkeiten mit den Wassertürmen der zweiten Generation der ab 1906 gefertigten »Klönne-Kugelbehälter«. Da die Zeche Sophia-Jacoba einen Koksliefervertrag mit dem EBV hatte, war die Errichtung des für die Wasserversorgung der Kokerei notwendigen Wasserturms vordringlich. Bis 1989 wurde der Turm für die Kohlenrückgewinnung aus der Bergehalde genutzt, obwohl 1962 die Zeche geschlossen worden war.

Die Firma Klönne entwickelte den Kugelbehälter aus dem weitgehend von ihr in hohen Stückzahlen gefertigten sogenannten »Barkhausenbehälter«, dessen halbkugelförmige Boden und Dachteile sie zur vollständigen Kugelgestalt zusammenführte. Der Klönnebehälter wurde zum ernsthaften Konkurrenten des ab 1883 fast
ausschließlich dominierenden sogenannten »Intzebehälters«. Er wurde speziell für Industrie- und Bahnzwecke zum neuen Standardtypus für die Zeit zwischen etwa 1906 und 1925. Für den Intzebehälter in Übach-Palenberg hatte die Herstellerfirma F A. Neuman die Lizenz.
Besonderes Merkmal des Übacher Turmes ist die aufwendig gestaltete Lüfterlaterne mit der geschweiften Überleitung zum Kugelbehälter hin. Der fast tambourartige Aufbau ist mit rundbogigen Lüfteröffnungen und einer haubenförmigen Bedachung versehen. Die Lüftungsöffnungen sind mit Lamellen geschlossen. Dieser Aufwand übersteigt deutlich den bei den Lüfterformen der Klönnebehälter. An den Kopfpunkten der Behälterstützen verwendete Neumann allerdings die für die zweite Generation der Klönnetürme charakteristischen dreieckigen Bleche. Schrägstreben verkleinern die Stützweite der sechs Hauptstützen. Sie sorgen dafür, daß der Auflagering, bei dieser Bauform gleichzeitig auch Druckring, über seinen gesamten Umfang gestützt wird. Überdurchschnittlich reich verziert sind auch die für die Behälterwartung notwendigen Betriebsstege in Höhe der Auflageringe und am Fußpunkt der Lüfterlaterne. Besonders das Geländer des unteren Steges weist eine noch dem geometrischen Jugendstil zuzuordnende Gestaltung auf. Von dieser Art Wassertürme sind nur noch ganz wenige Exemplare in Deutschland erhalten.

Der zweite Weltkrieg fügte dem Wasserbehälter von Carolus Magnus erhebliche Schäden zu, die von der Firma F A. Neuman 1946 wieder beseitigt wurden. Mit dem Inkrafttreten des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes von 1980 wurde auch die Unterschutzstellung des Wasserturmes betrieben. Gespräche zwischen dem Eigentümer, der Unteren Denkmalbehörde und dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege brachten anfangs keinen Erfolg. Erst im März 1990 konnte die Unterschutzstellung vollzogen werden. Dank des erheblichen Einsatzes von Mitteln der NRW-Stiftung, von Denkmalmitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und von Mitteln der Stadt Übach-Palenberg konnte der Turm durch die Firma Tiefenbach aus Duisburg in der Zeit vom März 1997 bis zum Februar 1998 instandgesetzt werden. Bei den Arbeiten gingen wegen zu großer Korrosionsschäden leider die fahrbare Leiter zur Wartung der Behälteroberfläche, das Zentralrohr für den Durchstieg und die darin enthaltene Wendeltreppe verloren.

Wegen mangelnder Pflege war die Konstruktion und das Material der Laterne ebenfalls so stark angegriffen, daß nur noch ein Nachbau des Originals hergestellt werden konnte. Das zu erhaltende Metall der übrigen Konstruktionsteile wurde durch Sandstrahlen von Korrosionsbestandteilen gereinigt. Die teilweise durchgerosteten Flächen wurden geschlossen. Gerüst sowie Innen- und Außenflächen des Behälters mit seiner neuen Laterne erhielten einen Voranstrich aus Epoxydharz, einen Zwischenanstrich aus Epoxydharz-Eisenglimmer sowie zwei graue Deckanstriche aus Polyurethan-Eisenglimmer. Die signifikanten Geländer zeigten Spuren eines grünen Anstriches vermutlich aus der Bauzeit. Die Bauleitung wählte jedoch für diese Elemente eine blaue Farbe, während die Stufen mit trittfester schwarze Farbe gestrichen wurden. Der Wasserturm ist nun auf dem besten Wege, zum allgemein akzeptierten Wahrzeichen der Stadt Übach-Palenberg zu werden.