Kurzberichte

Zwangsarbeit in Stolberg - Made in Aachen 2

Unter dem Titel "Zwangsarbeit in Stolberg/Rhld." erschien im Herbst 2003 der zweite, von Stefan Krebs verfaßte HisTech-Jahresband in Zusammenarbeit mit dem Stolberger Geschichtsverein. Im Vorwort des von Peter Johannes Droste und Hans-Joachim Ramm herausgegebenen Buches heißt es:

Der Einsatz von ausländischen Zivilarbeitern und Kriegsgefangenen in der deutschen Wirtschaft während des Zweiten Weltkriegs war jahrzehntelang in der öffentlichen Diskussion der bundesrepublikanischen Gesellschaft verdrängt und tabuisiert worden. Seit Mitte der 1980er Jahre beschäftigten sich – in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen – westdeutsche Geschichtswissenschaftler immer häufiger mit der Geschichte der Zwangsarbeit. Dabei entstanden sowohl übergreifende als auch regionale und lokale Studien, die nicht nur die wirtschaftlichen, rechtlichen und organisatorischen Aspekte des Arbeitseinsatzes, sondern auch die konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter thematisierten. Aber erst die Diskussion in den 1990er Jahren um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter und die Gründung der »Stiftung Erinnern, Verantwortung und Zukunft« rückte das Thema in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit.

Mehrere Millionen Frauen, Männer und Jugendliche wurden während des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat verschleppt und unter oft menschenunwürdigen Bedingungen zum Arbeitseinsatz im deutschen Einflussgebiet gezwungen. Sie mussten für die Industrie, für Handel und Handwerk, in der Landwirtschaft, für öffentliche und kirchliche Institutionen sowie in Privathaushalten arbeiten. Gegen ihren Willen sicherten sie das Funktionieren der deutschen Wirtschaft und damit der Kriegsmaschinerie. Im Spätsommer 1944 waren fast ein Viertel der Arbeitskräfte im Deutschen Reich Zwangsarbeiter, die vom nationalsozialistischen Unrechtsregime und seinen Institutionen entrechtet, ausgebeutet und terrorisiert wurden. Viele überlebten diesen Arbeitseinsatz nicht.

Auch Stolberger Unternehmen beschäftigten während des Zweiten Weltkriegs Kriegsgefangene und Fremdarbeiter. Im Sommersemester 2000 legte Stefan Krebs, M.A., eine Untersuchung zur Zwangsarbeit in Stolberg vor, die von Prof. Dr. Armin Heinen wissenschaftlich betreut und vom Lehrstuhl für Neuere Geschichte am Historischen Institut der RWTH Aachen als Magisterarbeit anerkannt wurde. Sie ist eine der ersten lokalgeschichtlichen Arbeiten zu diesem Thema im Raum Aachen. Wir – der ‚HisTech‘ e.V. – Verein für regionale Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte und der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein e.V. – hoffen, mit ihrer Veröffentlichung sowohl das Wissen über dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte als auch das Bewusstsein vom Unrecht, das den Zwangsarbeitern angetan wurde, zu fördern.

Bibliographische Angaben:
Stefan Krebs: Zwangsarbeit in Stolberg/Rhld. Eine erste Bestandsaufnahme. Made in Aachen. Beiträge zur regionalen Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 2 (zugleich Beiträge zur Stolberger Geschichte, Band 26). Stolberg 2003